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Enemy mine – Geliebter Freund

Am Grübeln über den nächsten Beitrag… Wahrscheinlich kennen es viele Bloggerinnen und Blogger – jetzt kenne ich es auch:)

Ich habe länger überlegt, welche Lebensgeschichte ich hier poste, die von einer karitativen (also helfenden) Tat erzählt, die dazu auch noch idealistisch motiviert ist. Und dann ist mir etwas aus Familiengeschichten eingefallen, das sich im Zweiten Weltkrieg ereignete. Die Geschichte erinnerte mich an den Film „Enemy mine – Geliebter Freund“ aus dem Jahre 1985 (mit Hauptdarsteller Dennis Quaid). In dem Film handelt es sich um einen Krieg im Weltall – natürlich wie es im Kino oft ist, einen Krieg zwischen Menschen und Außerirdischen, wobei auch klar zu sein scheint, wer die Bösen sind. Der Protagonist gerät in eine missliche Lage, in welcher er vom Feind gerettet wird – so fängt eine echte Freundschaft an, die vieles im Inneren der Beiden ändert…

Die Geschichte, die mir eingefallen ist, ist prinzipiell sehr einfach, doch – zumindest für mich – bewegend. Meine Familienwurzel führen in die Ukraine. Es war in den 1940er Jahren, als die deutschen Soldaten sich Kiew näherten. Meine Oma und ihre erste Tochter lebten in der Gegend. Die Zeiten waren schwer. Man konnte verschiedene Dinge erwarten. Es war klar, wer die Bösen waren. Und nicht ohne Grund.

Doch eines Tages erschien beim Haus der Oma ein tatsächlich unerwarteter Gast – zumindest auf diese Art unerwartet. Es war ein deutscher Soldat, der offenbar nicht vorhatte, in dem Moment jemanden anzugreifen. Was er machte war Zweierlei: der älteren Tochter von meiner Oma gab er einen Schokoladenriegel und meiner Oma sagte er nur: „Mütterchen, nimm Deine Familie, und lauf – so schnell und soweit Du nur kannst. Bald werden hier die deutschen Soldaten eintreffen…“.

Meine Oma tat, was ihr gesagt wurde. Natürlich benachrichtigte sie so viele Menschen, die sie nur konnte. Es passierte, wie es damals kommen musste: kurz danach gab es vor dem Ort Zerstörung und Krieg. Heutige Fotos und Filme können einem ein wenig darüber erzählen. Auch wenn man heute Nachrichten über Ostukraine, Syrien oder ein anderes Gebiet, in dem es noch keinen (richtigen) Frieden gibt, mitbekommt, könnte man es mit der Zeit im Zweiten Weltkrieg vielleicht ein bisschen vergleichen. Der Zweite Weltkrieg hatte jedoch ein noch größeres Ausmaß an Zerstörung.

Doch meine Oma, ihre Familie und viele Bewohnerinnen und Bewohner des Ortes wurden gerettet, weil sie noch am selben Tag den Ort verließen. Wenn ich den Gedanken weiterverfolge, muss ich zwangsläufig anerkennen, dass es auch mich möglicherweise nicht gegeben hätte – später – wenn nicht der deutsche Soldat damals. Allerdings einer, der offenbar nicht im Sinne seiner Befehlsgeber handelte. Einer, der offensichtlich eine karitative Tat wagte – die ihn übrigens auch Einiges kosten konnte. Einer, der was Gutes tat.

Was motivierte ihn? Welches Ideal war das?

 

Wünsch Euch gute Woche

Mit nächtlichen Grüßen

Madmax