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Die Bunten Kicker

Auf der Suche nach sozialen Projekten und Idealisten in München lernte ich die „interkulturellen straßenfußball-ligen“ namens buntkicktgut kennen: Bereits seit 1996 beweist die Organisation, dass es Sprache gibt, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene aus unterschiedlichsten Kulturen, sozialen Herkünften und Religionen zusammen bringen kann: Fußball!

Street Football Buntkicktgut
Foto: Straßenfußball vom Feinsten, Autor: Sebastian Schulke, www.buntkicktgut.de

Das Team, das in München im Kern aus elf Mitarbeitern und knapp 30 festen Freiwilligen (Street Football Worker) besteht, hat viel bewegt und setzt die Mission von buntkicktgut erfolgreich fort. Sie werden durch Partner und Freunde sowie Spenden unterstützt. Die Street Football Worker arbeiten mit mittlerweile über 2.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern (Stand: 2015) aus unterschiedlichsten Herkunftsländern – 100 an der Zahl! Ich meine, wenn man sich bei jemandem über die Interaktion verschiedener Kulturen erkundigen will, dann würde ich buntkicktgut jedenfalls in Erwägung ziehen.

Die Arbeit ist professionell gestaltet: Einerseits wird mit einem Liga-System gearbeitet, in dem Jungs (von U11 bis Ü17 – Alterskategorien: von sieben bis 22) und Mädels (U13 – U17) auf Bolzplätzen, in Hinterhöfen, Parks oder einfach auf der Straße Fußball spielen. Andererseits werden in die Arbeit professionell entwickelte pädagogische Konzepte integriert, die für eine nachhaltige Wertevermittlung sorgen. Das alles – übrigens – nicht nur in München.

Und wenn man schon über die Werte spricht: buntkicktgut etabliert bzw. festigt Fairness, Toleranz, Partizipation und Gewaltfreiheit im Bewusstsein der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, fördert ihr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl, in dem die Kinder und Jugendlichen die „interkulturellen straßenfußball-ligen“ selbst mitgestalten. Dadurch will buntkicktgut nicht nur möglichen Konflikten und Gewalt präventiv begegnen, sondern auch Jugendkriminalität reduzieren – gute Arbeit!

Meines Erachtens ist diese Arbeit unheimlich wichtig. In einer Zeit, in der es so viele Kräfte gibt, die Abgrenzung und Protektionismus popularisieren und daraus wieder mal ein „der Stärkere überlebt“ machen, ist sie sogar notwendig. Umso dankbarer ist man für die, die sich für Offenheit und Integration der Abgegrenzten in ein buntes und friedliches Ganzes bemühen.

Foto: Street Football Worker (vorne) mit Nachwuchskickern von buntkicktgut, Autor: Sebastian Schulke, www.buntkicktgut.de
Foto: Street Football Worker (vorne) mit Nachwuchskickern von buntkicktgut, Autor: Sebastian Schulke, www.buntkicktgut.de

Die Integration wird bei buntkicktgut nicht nur durch das Fußballspiel, sondern auch durch den „Liga-Rat“ gelebt, der sich aus einzelnen Kindern und Jugendlichen zusammensetzt. Im Liga-Rat werden Konflikt- und Problemsituationen aus dem Ligaalltag thematisiert und an deren Lösung gemeinsam gearbeitet. Das fördert bei den Partizipierenden ein besseres Bewusstsein für die Probleme, die während der Spieltage in der Liga auftreten können.

Und das ist bei Weitem nicht alles, was buntkicktgut seinen Kindern und Jugendlichen bietet: So gibt es noch das eigene Straßenfußball-Magazin „buntkicker“, Ferienangebote mit Fußball- und Ernährungsworkshops oder Trainingseinheiten für Flüchtlinge. Einmal im Jahr findet der FC Bayern Youth Cup statt, ein internationales Turnier für Jugendspieler, bei dem buntkicktgut mit seinen Spielern das „Team Germany“ stellt (Mehr Details dazu kann man auf www.buntkicktgut.de finden).

Foto: buntkicktgut Sommerfest 2014, Autor: Samir Sakkal, www.buntkicktgut.de
Foto: buntkicktgut Sommerfest 2014, Autor: Samir Sakkal, www.buntkicktgut.de

Der Motor dahinter ist die Idee: „Ein Ball – zur interkulturellen Begegnung und Integration – präventiv wirksam im Hinblick auf Jugendkriminalität und den Umgang mit Gewalt„. Mit dieser Idee starteten Rüdiger Heid, Memo Arikan und Hans-Peter Niessner im Jahr 1996 – spannend: wie viel eine Idee seit nun schon 20 Jahren bewegen kann!

Skeptiker mögen vielleicht auch dieses Projekt auf langfristige, soziologische, ökonomische und sogar politische Effekte reduzieren. Doch ohne Idealismus dahinter ist es in der Regel schwer, für den Erfolg ausreichend Leidenschaft an den Tag zu legen. Diese Leidenschaft spürte ich im Gespräch mit Herrn Heid, und fand es toll, dass er nach so vielen Jahren immer noch für die Idee brennt. Viel Erfolg für buntkicktgut weiterhin!