Männer, spendet für diakonia!

Unterwegs auf der Suche nach Idealisten hatte ich das Glück, die diakonia zu besuchen und sogar ein Interview durchführen zu dürfen. Ganz richtig, ich meine die diakonia der Inneren Mission München und des evangelisch-lutherischen Dekanats München. Die Diakonie, die viele aus der Außenwerbung kennen.

Das Interview wurde mit freundlicher Unterstützung von Frau Antje Leist ermöglicht. Frau Leist ist eine studierte Politikwissenschaftlerin, die ihren erfolgreichen Abschluss an der Universität Heidelberg erworben hat. Umgezogen von Frankfurt am Main, wo Frau Leist sich im Rahmen einer Beratungstätigkeit für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie einsetzte, ist sie bei der diakonia seit Februar 2016 für die Leitung des Betriebs „Soziale Aufgaben“ zuständig.

Blog Idealisten: Frau Leist, was macht der Betrieb Soziale Aufgaben?

Frau Leist: „Dieser Betrieb ist vor zirka einem Jahr neu gegründet worden und umfasst drei Kleiderkammern, in denen Textilspenden an bedürftige Menschen kostenlos ausgegeben werden, sowie weitere soziale Bereiche in München. diakonia hat bekanntlich viele Initiativen ins Leben gerufen und betreibt unterschiedliche Aktivitätenbereiche. Einer davon besteht seit 20 Jahren: das ist diakonia secondhand mit seiner Textilsortierung und heute insgesamt acht Geschäften, in denen Spenden verkauft werden und wo in allen Betriebsteilen Menschen mit Handicap arbeiten. Bereits damals war die Basis-Idee, mit Textil- oder Sachspenden etwas für bedürftige Menschen zu unternehmen. Diese Idee wandelte sich und nahm verschiedene Formen an. Jetzt finden wir sie im Betrieb Soziale Aufgaben wieder. Übrigens: Soziale Aufgaben betreiben nicht nur drei Kleiderkammern. Ein weiterer Aufgabenbereich ist die Sozialberatung für Menschen in schwierigen Lebenslagen.“

Blog Idealisten: Könnten Sie ein Beispiel für die „schwierigen Lagen“ nennen?

Leist: „Gern ein kleines aktuelles Beispiel: Erst vor kurzem wurde im Rahmen dieser Beratung einer hochschwangeren Mutter mit zwei weiteren Kindern aus der Obdachlosigkeit geholfen. Das macht uns sehr glücklich. Man sieht, die Arbeit ist wirklich nicht umsonst.“

Blog Idealisten: So einen Betrieb aufzustellen und aufrechtzuerhalten ist bestimmt nicht einfach. Allein der Bereich Kleiderkammern ist eigentlich ein komplexes Unternehmen Was muss da alles mit berücksichtigt werden?

Leist: „In erster Linie braucht es Spenden beziehungsweise Finanzierung, denn die entsrpechende Infrastruktur und Logistik müssen aufgebaut werden – und dazu gehört viel: Personal, Räumlichkeiten, Ausstattung, Hilfsmittel, um Kleider zu sortieren, zu transportieren, aufzubewahren, ein Fuhrpark und vieles mehr.

Außerdem braucht man Partner, um den eigentlichen Gedanken hinter den Kleiderkammern zu realisieren.“

Blog Idealisten: Und dieser wäre?

Nachhaltigkeit! Die diakonia ist Mitglied im öko-sozial orientierten Dachverband FairWertung e.V., denn lediglich 10 Prozent der gesammelten Textilien können direkt an die Bedürftigen in München weitergereicht werden – der Großteil muss im Rahmen der Richtlinien von FairWertung sinnvoll weiterverarbeitet werden, um den Lebenszyklus der Textilien im Sinne der Nachhaltigkeit wenigstens zu verlängern, wenn schon der Herstellungsprozess in der Regel alles andere als nachhaltig verlief. Es entstehen dabei viele neue Produkte, wie zum Beispiel Isoliermaterialien oder Putzlappen.“

Blog Idealisten: Frau Leist, das hört sich nach viel Arbeit. Es ist bestimmt wichtig, dass man mit Überzeugung dabei ist. Was bewegt Sie persönlich?

Leist: „Mich persönlich bewegen mehrere Aspekte. Zum einen ist es der Wunsch, Menschen zu helfen, die in schwierigen Lagen sind. Das heißt Perspektiven schaffen, aber auch Not lindern, indem man die notwendige Versorgung gewährleistet. Zum anderen ist es der Aspekt der Nachhaltigkeit und Ökologie. Es ist heutzutage kein Geheimnis mehr, dass die heutige Textilproduktion – hoffen wir, ein Auslaufmodell – großenteils nicht unter optimalen Bedingungen, nicht aus optimalen Materialien und schließlich nicht unbedingt gegen entsprechende Entlohnung betrieben wird. Man möchte an dieser Stelle ansetzen – und möglichst viele Menschen über die Zustände informieren, was diakonia als verantwortungsbewusster Altkleidersammler tut. Dies verändern. Aber auch: Die Nutzungsdauer der Textilien verlängern, Kosten relativieren. Letztendlich sind wir ein evangelischer Tendenzbetrieb und folgen dem diakonischen Auftrag, Menschen unabhängig von ihrer sozialen Stellung, ihres Geschlechts, ihrer Herkunft oder Religion zu helfen – hier in München, aber indirekt auch in ganz anderen Weltgegenden.“

Blog Idealisten: Das ist sehr inspirierend. Ich möchte nochmal kurz auf die Kleiderkammern zu sprechen kommen: Frau Leist, wer ist die wichtigste Zielgruppe für die Sachspenden? Für wen wird es betrieben?

Leist: „Es werden sowohl Sach- als auch Textilspenden gesammelt. Dies dient in erster Linie der Schaffung von Arbeitsplätzen – vor allem für Langzeitarbeitslose oder Menschen mit Handikap. Die nächste Aufgabe ist, die bedürftigen Menschen mit Textilien zu versorgen. Dabei wird nicht unterschieden, wen man unterstützt. Es sind nämlich alle bedürftige Menschen im Fokus, die es in München gibt.“

Blog Idealisten: Machen Sie das auch für Flüchtlinge? Und wenn ja, gibt es dabei ein differenziertes Vorgehen?

Leist: „Für Flüchtlinge wird im Rahmen der Übergangsversorgung sehr viel gemacht. Es gibt auch hier keinen Unterschied, woher sie gekommen sind und welchen Hintergrund die Flüchtlinge haben.“

Blog Idealisten: Seit wann werden die Flüchtlinge unterstützt?

Leist: „Flüchtlingsversorgung betreibt diakonia in Zusammenarbeit mit dem Sozialreferat der Landeshauptstadt München bereits seit Herbst 2014. Den Betrieb Soziale Aufgaben hat man dann etwas später gegründet, um diesen neuen Betriebsteil sinnvoll zu strukturieren. Dieser Bereich wird durch das Sozialreferat der Landeshauptstadt München finanziert. Es handelt sich um einen Notfall-Topf, wobei die Stadt die Flüchtlingsunterstützung sehr schnell in die Wege geleitet hat.“

Blog Idealisten: Wie erleben Sie die Flüchtlinge?

Leist: „Man erlebt sie einerseits als Menschen, die alle gleich in Not sind. Andererseits hat man natürlich verschiedene Eindrücke bei unterschiedlichen Menschen. Die einen erscheinen auf Anhieb frohgemut und freundlich, die anderen wirken eher etwas getrübt auf Grund der Erfahrungen, die sie durchmachen mussten. Man spürt bei manchen Menschen mit Fluchthintergrund, dass sie durch den „Verteilungskampf“ etwas gedämpft wirken. Ein Hinweis darauf, dass der Bedarf nicht mit Spenden gedeckt ist.“

Blog Idealisten: Wie groß ist die Spendenbereitschaft in München?

Leist: „Die Spendenbereitschaft in München hat in den Jahren 2014 und 2015 massiv zugenommen und ist nach wie vor sehr groß. Im letzten Jahr blieb sie dann erfreulicherweise auf einem stabilen Niveau von zirka 2.000 Tonnen Textilien pro Jahr.“

Blog Idealisten: Gibt es auch Großspenden?

Leist: „Ja, zum Beispiel spenden manche Fashion-Unternehmen beeindruckend viele Textilien, wenn sie ihr Sortiment bereinigen wollen. Dazu müsste man vielleicht sagen, dass sie es auch an Verwertungsgesellschaften verkaufen können, das ist branchenüblich.“

Blog Idealisten: Gibt es unter den Großspendern auch eine Art Mäzen?

Leist: „Eine Mäzenin oder einen Mäzen [lacht] im eigentlichen Sinne eher weniger, aber sie sind extrem gewünscht und willkommen!“

Blog Idealisten: Frau Leist, was wünschen Sie sich beziehungsweise was wünschen sich die Sozialen Aufgaben von diakonia für die Zukunft?

Leist: „Es sind mehrere Punkte, die man dabei benennen möchte. Zum einen bekommen wir sehr viele Textilien für Frauen gespendet. Tatsächliche Lage ist, dass die meisten angekommenen Flüchtlinge männlichen Geschlechts sind. So ergibt sich eine Lücke, die geschlossen werden muss. In diesem Sinne würden wir uns freuen, wenn mehr Textilien gespendet werden, die für Männer geeignet sind. Zum anderen wünschen wir uns, dass unsere Aktivitäten weniger als eine Krisentätigkeit gesehen werden, sondern zunehmend als etwas, das bei der rasant steigenden Armut in der Stadt München immer nötig ist und sein wird. Aber wir streben an, dass bedürftige Einheimische wie Flüchtlinge bei uns zu sehr billigen Preisen einkaufen können statt die Stücke kostenlos zu bekommen. Das hängt damit zusammen, dass „Almosen geben“ oder „mildtätige Abgaben“ bei bedürftigen Menschen den Eindruck erweckt, dass sie irgendwie schwach oder minderwertig sind, was nicht besonders förderlich ist. Letztendlich wären wir glücklich, wenn die Armut in der Stadt München abnimmt. Laut dem aktuellen Armutsbericht ist leider das Gegenteil der Fall.“

Blog Idealisten: Frau Leist, besten Dank für Ihre Zeit und Ihren Einsatz. Noch eine abschließende Frage: Wie kann man Sie unterstützen?

Leist: „Geld spenden! Denn so können wir zum Beispiel der Problematik entgegenwirken, dass zu wenig Herren-Textilien gespendet werden.“

Nach dem Interview war ich begeistert. Begeistert davon, wie professionell und nachhaltig diakonia ihre Arbeit macht, wie ansprechend und hochqualitativ sie die Kommunikationsarbeit betreibt – übrigens: die Mitarbeiterzeitung von diakonia ist sehr empfehlenswert – und zeigt, auf welchem hohen Niveau der Betrieb, den ich auch besucht habe, organisiert ist. Bravo. Da bekommt man irgendwie das Gefühl, dass etwas in dieser Welt doch stimmt. Etwas ist richtig. Etwas ist gut. Ein guter Grund, um dankbar zu sein.

Übrigens: letzte Woche Donnerstag gab es im Bayerischen Nationalmuseum eine Secondhand Fashion Vorführung. Dabei war die diakonia sehr gut vertreten und man hat gesehen, was man noch mit den gespendeten Klamotten anstellen kann. Ich stelle daher hier einige selbst geschossenen Fotos zur Verfügung. Zugegeben: die Fotos sind nicht bester Qualität – ein Profi-Fotograf bin ich leider nicht. Dennoch kann man an diesen schon erkennen, dass es ein Top-Event in einer Top-Location war und dass es wirklich viel Spaß gab. Was man auch an diesen wenigen Fotos erkennen kann, ist dass Damen beziehungsweise Damenbekleidung Oberhand gewinnt –

nicht nur, weil ich gerne Damen fotografierte;)

Männer, spendet für diakonia!

Heldenmarkt in München

Letztes Wochenende besuchte ich die Veranstaltung Heldenmarkt in München, weil der Name offenbar etwas mit Idealisten zu tun hat:) und … fand es geil. Im Folgenden schreibe ich warum.

Idealisten auf Heldenmarkt
Blog Idealisten besucht Heldenmarkt in München

Auf der Fläche des MVG Museums in Giesing haben sich mehrere Heldinnen und Helden gesammelt, um sich und eigene Beiträge zu einer nachhaltigen Wirtschaft vorzuzeigen und natürlich für zukünftige Projekte zu werben. Es waren zirka 100 Aussteller dabei und ziemlich viele Besucherinnen und Besucher, was ich angenehm fand – Gutes Tun scheint doch irgendwie nicht ganz in Vergessenheit geraten zu sein.

Vertreten waren beispielsweise Firmen, die sich für Fair-Trade einsetzen und auf diesem Wege Textilien produzieren lassen. Ein Anbieter bedruckt zum Beispiel seine Textilien mit Kindermalerei aus Afrika, verkauft diese Textilien in Deutschland und fördert auf diesem Wege die Kids, die er im Rahmen seiner sozialen Projekte kennen gelernt hatte – finde ich genial!

Übrigens: unter den gebotenen „Klamotten“-Arten fand man auch Taschen, die nach Recycling-Verfahren erstellt worden sind und doch sehr modisch sowie attraktiv wirkten. Das ist auch ein ganz anderes Gefühl – muss ich sagen – wenn man eine Tasche in der Hand hält, die so viel „erlebt“ hat:) und dazu noch „handmade“ ist.

Ebenso gab es mehrere Bio-Nahrungsmittel-Anbieterinnen und Anbieter, wobei die Angebote von Kaffee über Milch, Kuchen, Müsli, Brotaufstrich jeglicher Art bis in die regionalen Brotsorten reichten. Auch bekannte Namen wie Fritz-Cola habe ich dort gesehen.

Sogar Literatur- und Möbel-Herstellerinnen und -Hersteller waren auf dieser noch vergleichsweise kleinen, doch schon sehr feinen Messe anwesend.

Ich habe in der Regel den Eindruck, dass Mehrheit dieser Helden irgendwie als eine „Randgruppe“, die „Ökos“ oder ähnlich betrachtet werden, wobei ich gestehen muss, dass bei vielen dieser Menschen der Auftritt schon ziemlich professionell wirkt. Nicht nur das. Auch die Geschäftsmodelle dahinter scheinen sehr wirksam und vor allem bodenständig aufgestellt zu sein. Also nicht nur Träumerei.

Man möge die Anwesenheit solcher Marken, wie beispielsweise BKK, GLS Bank, DriveNow, Naturstrom, UmweltBank sowie Süddeutsche Zeitung als eine Art Beweis für die Seriosität der Messe sehen.

Da ich mit einigen der Aufsteller in Gesprächen bin, kann ich sagen, dass sie eine gewisse Motivation haben, die nicht nur auf Profit-Jagd fußt. Einen Idealismus – würde ich sagen. Denn den Idealismus gibt es ja nicht. Ob dabei solche Werte, wie Heimat-Verbundenheit, Natur-Verbundenheit, Gesundheit, gesunde Ernährung, faire Arbeitsbedingungen (was sehr viel auch mit Menschenrechten zu tun hat), Förderung nachhaltiger Wirtschaft in der Region oder auch weltweit im Vordergrund stehen, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Wichtig ist, dass diese Menschen von diesen Werten – oder Ideen – angetrieben und bewegt werden. Es ist auch nicht schwer zu verstehen. Wenn man solche Werte lebt, will man bestimmten Mehrwert für sich und eigene Umgebung oder auch für die ganze Welt erreichen. Dieser Mehrwert kann sehr wohl auch emotionaler Natur sein. Gutes Gefühl, gutes Gewissen, das Gefühl, dass man für die Zukunft eigener Kinder das Richtige getan hat, innere Sicherheit, dass man eigenem Herzen folgte und genug Mut aufbrachte, um auch mal gegen Mainstream und Profit-Brainwash zu sein – das sind durchaus realistische Beispiele für einen nicht zu unterschätzenden emotionalen Mehrwert.

Ich möchte an dieser Stelle nicht sagen, dass Profit an sich schlecht wäre. Keinesfalls. Aber die eigene Existenz, eigenes Wesen, eigene Ganzheitlichkeit auf diesen zu begrenzen, wäre fatal. Man verpasst so viel!

Folglich ist Idealismus in diesem Sinne doch etwas Gutes. Ich glaube daran.

Ich war diese Woche auch auf einem Event, in welchem sehr viel über wirtschaftlichen Erfolg geredet wurde. Auch mit der Motivation

Mein Kind, ich habe immer getan, was ich wollte, und Du sollst es auch. Genauso wie ich. Hauptsache, dass Du glücklich bist“ wurde geworben.

Ich muss sagen: auch wenn es so natürlich attraktiv klingt, ist es nie ehrlich. Denn ich kenne keinen einzigen Menschen, der immer nur das getan hätte, was man will.

Das ist auch manchmal ganz gut so. Gut ist es, einzusehen, dass man in der Welt nicht die oder der Wichtigste ist, nicht die oder der Einzige. Nein, ich plädiere hier nicht für Sozialismus, sondern für Verständnis dessen, dass alle Menschen – egal wie unterschiedlich sie sind – doch global gesehen ähnlich und gleich wertvoll sind. Das ist schwierig. Schwierig, weil global. Und global in dem Sinne ist nicht mit menschlichen Augen zu sehen. Doch lassen wir hier lieber die Metaphysik beiseite.

Ganz praktisch: gegen eine Eintrittsgebühr in Höhe von acht Euro konnte ich auf dem Heldenmarkt nicht nur Bekanntschaften knüpfen, sondern auch einen Überblick über aktiv wachsende nachhaltige Wirtschaft in Deutschland (und Österreich) bekommen. Auch gute Print-Ausgaben aus dem Bereich – das beliebte Ziel von Sammlern auf Messen – konnte man kostenfrei mitnehmen. Nachfolgend stellte ich fest, dass manche der Ausgaben im Preis pro Stück teurer waren als die Eintrittsgebühr – gespart wird also auch.

Kurzum: die Messe ist echt eines Besuches wert! Weitere Informationen findet man bestimmt auf der folgenden Webseite: http://www.heldenmarkt.de/. Der nächste Heldenmarkt ist allerdings erst im September und etwas weit von München: Düsseldorf.

Unglaublich! Ich mache hier sogar kostenlose Werbung für sie:) Muss man echt verdient haben.

Flüchtlingsthema – Fortsetzung

Etwas gedauert, aber hier bin ich wieder. 

Das Thema „Flüchtlingen helfen“ scheint so ein bisschen im Sande zu verlaufen. Und ich muss sagen, nach mehreren Gesprächen bekomme ich den Eindruck, dass das Thema auch nicht ganz ohne ist. Ich möchte hier keine „Verschwörungstheorien“ verbreiten – die gibt es eh zu viele, aber man bekommt schon den Eindruck, dass das Thema Flüchtlinge in Deutschland nicht nur in den Medien kompliziert ist.

Natürlich ergibt auch eine oberflächliche Google-Recherche (wie im vorletzten Beitrag dargelegt) manche Namen von teilweise sehr aktiven Organisationen, die für Flüchtlinge beispielsweise in München viel machen: Online-Geldspenden, Container für Altkleider, Sammelstellen für Sachspenden, Unterstützung mittels Sprach- und Integrationskurse (Deutsch müssen die Flüchtlinge tatsächlich lernen – egal, welche politische Ausrichtung man zu pflegen mag, solange die Flüchtlinge hierzulande sind, ist es nun mal sinnvoll, dass sie sich mit der Umwelt auch verständigen können), et cetera.

Wohnungsanlagen werden den Flüchtlingen auch zur Verfügung gestellt. Leute kümmern sich wohl wahrscheinlich um die Verpflegung und Ernährung, denn sonst würden sich Meldungen zu unmenschlicher Behandlung schon häufen – hoffe ich. Es gibt auch andere interessante Projekte, über die man erfährt, wie zum Beispiel die von „buntkicktgut“ (siehe den letzten Beitrag hier im Blog).

Also es wird nicht wenig getan. Auch wenn man durch die Massenmedien schon eher mit dem Eindruck zurückbleibt, dass man immer noch diskutiert, ob Flüchtlinge in Deutschland zu haben, gut oder schlecht ist – auch wenn sie längst da sitzen und die ganze Debatte mit beobachten. In sozialen Medien bekommt man zum Thema wesentlich mehr mit – wenn man sich nicht gerade mit anderen Themen und Contents zudeckt.

Allerdings bleibt das Thema – wie gesagt – nicht ohne. Wahrscheinlich vor allen Dingen, weil viele sich politisch noch unsicher fühlen. Man weiß quasi nicht, was zukünftig kommt. Des weiteren ist hierzulande doch eine lebendige (und gelebte) Demokratie gegeben – ein Segen, den man schätzen und schützen muss. Die Demokratie beinhaltet unter anderem ein politisches System, in dem sowohl Regierungsparteien als auch Opposition ernst zu nehmen sind. Auch bedeutet es, dass die Presse verschiedene Meinungen abbildet – es ist übrigens gesetzlich vorgeschrieben. Die Kehrseite ist, dass man im Kampfzustand leben muss, und auch mit den politischen Kräften rechnen muss, die die Flüchtlinge in Deutschland nicht haben wollen – geschweige ihnen helfen. 

Ich kann mir gut vorstellen, dass insbesondere im dritten Sektor Deutschlands diese Verhältnisse gut spürbar sind, denn Zuwendungen und Patronage sind manchmal politisch gefärbt, und das ist kein deutsches, sondern ein menschliches Phänomen. Allerdings eines, was so ein bisschen „stinkt“. Wie dem auch sei, könnte eine politisch gefärbte Zuwendung beziehungsweise Patronage – rein theoretisch – eine gewisse stillschweigende Wunschäußerung bedeuten, die mögliche „Helfer“ zu einem eher dezenten Verhalten motivieren. Andererseits fühlen sich eventuell auch Groß-Sponsoren, wie Firmen, ebenso unsicher, und vermitteln ihre Unsicherheit gewünscht oder ungewünscht. Als Folge hält man den Ball weiterhin flach. Das heißt, auch wenn etwas gemacht wird, wird davon nicht viel berichtet – das ist jetzt reine Spekulation natürlich. Auch wenn daran etwas wäre, müsste man hierbei eine gewissermaßen positive Seite anmerken:

Ein antikes Dokument, was der Welt unter dem Namen „Bibel“ bekannt ist, berichtet über eine Person namens Jesus Christus, dessen Geburtstag (fast) die ganze Welt seit zirka 2000 Jahren feiert. Wahrscheinlich kennt fast jede/r, die oder der in einer christlichen Kultur aufgewachsen ist, den von Christus stammenden Satz „Wenn du aber Almosen gibst, so lass deine linke Hand nicht wissen, was die rechte tut“ (Matthaeus-Evangelium, Kapitel 6, Vers 3) – für viele Menschen auch ein Ideal. Wenn man dazu noch den Kontext liest, wird klar, dass man mit seinen sozialen Unterstützungsprojekten nicht unbedingt angeben sollte – schließlich ist dabei etwas anderes im Fokus, nämlich helfen.

Und solange dies im Fokus ist und tatsächlich getan wird, könnte man eigentlich dankbar sein. Trotzdem wünscht man sich (rein subjektiv) in diesem Bereich etwas mehr Informationen.